Kennen Sie Fischen im Allgäu? Eine 3000-Seelen-Gemeinde mit Bahnhalt und
kleinem Busbahnhof zur Weiterfahrt ans Urlaubsziel. Beide Bussteige vorbildlich
ausgestattet mit elektronischen Anzeigetafeln, zerstörungssicher oben am
Laternenmast befestigt. Auf einen Blick ist klar, wann wo welcher Bus abfährt. Ganz
anders unser Busbahnhof am Eugen-Bolz-Platz. Sechs Bussteige und eine
Haltestelle abseits für die Stadtbusse, immerhin seit Kurzem ausgestattet mit einem
Hinweis auf die RoBus-Linien. Bei der Neugestaltung des Busbahnhofs wurde für die
Fahrgastinformation ein schwarzer Anzeige-Kasten installiert. Seit Jahren zerstört, ist
er nebenbei auch ein hässliches Mahnmal für den Vandalismus in unserer Stadt.
Ortsunkundige und Nichteingeweihte müssen per Handy-App herausfinden, wo ihr
Bus abfährt. Nutzerfreundlich und niedrigschwellig geht anders. Laut
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der im Rahmen eines Forschungsprojekts die
Fahrgastinformation untersucht hat, spielen „die richtigen, rechtzeitigen und
verlässlichen Informationen für Reisende eine wesentliche Rolle für die Zufriedenheit
..im ÖPNV.“ Dies gilt für den Normalbetrieb, bei Störungen oder geplanten
Fahrplanänderungen z.B. bei Festen. Bei den Haushaltsberatungen 2025 hatten wir
ein kleines Budget beantragt, um die Fahrgastinformation an den Busbahnhöfen zu
verbessern, leider ohne Erfolg.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Mobilitätswende ist neben der Nutzerfreundlichkeit
die Verfügbarkeit des ÖPNV. Nur eine gute Anbindung motiviert zum Verzicht auf
das Auto. Trotz deutlicher Verbesserungen beim Busverkehr in den letzten Jahren
gibt es noch viel zu tun. So ist z.B. das neue Wohngebiet im DHL-Quartier derzeit nur
unzureichend ans Busnetz angebunden.
Der ÖPNV ist ein Verlustbringer für Landkreis und Kommunen. Der städtische
Busverkehr hat im Jahr 2024 bei den Stadtwerken Rottenburg ein Minus von 660.000
€ eingefahren. Angesichts knapper kommunaler Kassen ist eher eine Ausdünnung
des Angebots zu befürchten als eine Verbesserung. Die unzureichende
Finanzausstattung der Kommunen macht sich auch an dieser Stelle bemerkbar.
Projekte wie Stuttgart 21 verschlingen Milliarden für einen zweifelhaften Nutzen. Geld
das fehlt, um einen verlässlichen Busverkehr in der Fläche zu etablieren.
Übrigens: als Kundinnen und Kunden unserer Stadtwerke können wir alle dazu
beitragen, die Zukunft des Stadtbusses zu sichern!