Rathausrunde im März von Agnieszka Löffler

Als ich vor vielen Jahren aus Polen nach Tübingen kam, war Sprache der Schlüssel zu allem: zur Arbeit, zu Freundschaften, zur politischen Teilhabe. Integration beginnt mit dem ersten Satz, den man sich auf Deutsch zu sagen traut. Genau deshalb macht mich eine aktuelle Entscheidung fassungslos.

Im Februar 2026 informierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Sprachkursträger über einen Zulassungsstopp für Menschen, die freiwillig an Integrationskursen teilnehmen möchten, sich diese aber nicht leisten können. Betroffen sind häufig gut ausgebildete Menschen aus EU-Staaten oder Drittstaaten –hier oft nur Geringverdienende, die ihren Beruf noch nicht ausüben können, weil ihnen Deutschkenntnisse fehlen. Also genau jene Fachkräfte, die unsere Wirtschaft so dringend sucht!

Wer vom Jobcenter verpflichtet wird, darf weiterhin kostenlos teilnehmen. Wer von der Ausländerbehörde verpflichtet wird, erhält zumindest eine Ermäßigung. Doch wer Eigeninitiative zeigt und freiwillig lernen möchte, hat nun plötzlich schlechte Karten. Diese Regelung, für die Bundesinnenminister Dobrindt verantwortlich ist, sendet ein völlig falsches Signal.

Besonders deutlich wird das bei der VHS Rottenburg. Dort könnten nach Angaben der Fachbereichsleitung rund 40 Prozent der Teilnehmenden betroffen sein. Viele werden den Kurs gar nicht erst beginnen können oder nur einzelne Module besuchen.

Gerade diese Gruppe bringt jedoch oft eine besondere Dynamik in die Kurse: hoch motivierte Menschen, die arbeiten, lernen und Teil unserer Gesellschaft sein wollen.

Integrationskurse sind weit mehr als Grammatikunterricht. Sie vermitteln auch, wie unsere Demokratie funktioniert: Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Respekt. In Rottenburg werden die Gruppen eng begleitet, oft auch mit Blick auf traumatische Fluchterfahrungen. Für manche Teilnehmende ist es der erste Ort, an dem sie erleben, was eine freie Gesellschaft bedeutet.

Als Stadträtin für Bündnis 90/Die Grünen – und als jemand mit eigenem Migrationshintergrund – halte ich es für falsch, die motiviert Lernenden auszubremsen. Wer Verantwortung übernimmt und freiwillig Deutsch lernen will, sollte Unterstützung bekommen – keine Hürden.

Integration lebt von Chancen. Nicht von Stoppschildern. Deshalb schließen wir uns den unterschiedlichen Akteuren an, die sich dafür einsetzen, die Regelung von Bundesinnenminister Dobrindt rückgängig zu machen.