Rathausrunde im Juni von Norbert Ziegeler

Was wäre, wenn der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel vor rund 30 Jahren nicht in den Hubschrauber gestiegen wäre, um sich bei einem Flug über den Bahnhof von Sinn und Zweck von Stuttgart 21 zu überzeugen?

Nun ist es, wie es ist. Das angeblich „bestgeplante Projekt aller Zeiten“ wird zum Desaster für die Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer in unserer Region, wenn die Gäubahn 2026 in Vaihingen enden und eine Weiterfahrt mit der S-Bahn nicht möglich sein wird. Was die Planer der Bahn hier abliefern, grenzt an Sabotage. Die Gäubahn ist eine der wichtigsten Bahnstrecken im Land. Eine Abkopplung ohne gleichwertigen Ersatz ist nicht hinnehmbar, schließlich sind viele Menschen auf einen zuverlässigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen.

Wir GRÜNE fordern:

  1. Die Gäubahn darf erst gekappt werden, wenn der Pfaffensteigtunnel im Betrieb ist.
  2. Die S-Bahnverlängerung bis Horb muss kommen. Im Wechsel mit der Regionalbahn kann so in
    den Stoßzeiten ein Halbstundentakt realisiert werden.
  3. Der Abschnitt Richtung Singen muss endlich modernisiert und zweigleisig ausgebaut werden,
    damit der Bahnbetrieb stabiler wird.
  4. Die Trasse der Panoramabahn als Ausweichstrecke für die S-Bahn erhalten.

Wie ein perfekt getakteter ÖPNV funktioniert, lässt sich in der Schweiz beobachten. Doch dazu muss erst einmal in die Schiene investiert werden. Unsere Bahn ist zu 100 Prozent in Staatsbesitz. 2023 hieß es in der Süddeutschen Zeitung: „Nein, die Deutsche Bahn hat sich nicht selbst ins Desaster manövriert. Dieses historische Versagen besorgte wesentlich eine einzige Partei: die CSU.“ Namentlich die Verkehrsminister Ramsauer, Dobrindt und Scheuer. „Leistung muss sich wieder lohnen“ war einer der Wahlslogans der CDU. Ich frage mich: Mit welcher Leistung hat es sich Alexander Dobrindt verdient, wieder Bundesminister zu werden?

Wir GRÜNE haben uns im Landkreis erfolgreich für den Ausbau des ÖPNV eingesetzt. Die Bahnhöfe in Ergenzingen und Bondorf sind über den Kreisbus gut angebunden. Doch was nützt das, wenn dann die Züge nicht bis zum Ziel fahren können? Liebe Kolleginnen und Kollegen aus CDU und SPD, bitte übernehmt Verantwortung für die Positionierung eurer Partei im Volksentscheid zu Stuttgart 21 und nutzt eure innerparteilichen Verbindungen in Richtung Bundesregierung, um eine funktionierende Bahnverbindung nach Stuttgart sicherzustellen.

– Norbert Ziegeler